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Ontologische Metaphern

Eine dritte Art der Metaphern sind die ontologischen Metaphern. Die Ontologie ist die Lehre von dem Seienden. Es gibt Metaphern der Entität und der Materie, welche der Mensch durch seine konkreten Erfahrungen mit Objekt und Materie bilden kann. Es werden künstliche Grenzen gesetzt und physische Phänomene zu Einzelbildern gemacht, sodass Entitäten “entstehen”, die durch ihrer Oberfläche begrenzt sind. So ist z. B. Inflation eine Entität, denn wir können uns auf sie beziehen, sie quantifizieren, identifizieren oder als Ursache für etwas sehen.

Ontologische Metaphern werden oft als Zielsetzung benutzt, da man auf sie

  • Bezug nehmen kann (Angst vor Spinnen, guter Fang, Mittelschicht…),
  • quantifizieren kann (viel Geduld, soviel Haß, großer Einfluß, zuviel Feindseligkeit),
  • Aspekte identifizieren kann (unangenehme Seite, Brutalität des Krieges, Tempo der heutigen Zeit),
  • Ursachen identifizieren kann (Verantwortungsdruck, Zorn, sittliches Leitbild) und
  • Ziele setzen kann, die zu Handlungen motivieren (Ruhm und Reichtum, großes Glück).

Solche Ausdrücke werden aber meist nicht als metaphorisch empfunden, jedoch werden Dinge ohne Physis bzw. etwas Abstraktes besser verstanden, so z. B. Geist und Seele, wobei die Metaphern nicht exakt den gleichen Aspekt der geistigen und seeligen Erfahrung beleuchten. Ontologische Metaphern sind in unserem Denken selbstverständlich, weil sie ein fester Bestandteil unserer Kultur sind.

Ein weiterer Bestandteil der ontologischen Metaphern sind die Gefäßmetaphern. Es wird davon ausgegangen, daß der Mensch ein Gefäß ist mit einer begrenzten Oberfläche und einer Innen- Außen- Orientierung. Dies ist der Grund, weshalb wir sagen, daß wir aus etwas gehen oder in etwas sind. Es gibt also Innen- und Außenseiten, die (natürliche) Grenzen haben. Unbegrenzte Objekte jedoch haben auch bestimmte Größen, werden aber nach ihrem Inhalt quantifiziert. Das Blickfeld eines Menschen wird auch als Gefäß bezeichnet, denn es definiert die Grenze eines Territoriums. Dies ist auch der Grund, weshalb wir sagen, daß “etwas in Sicht kommt”, “im Blickfeld” ist oder daß man “alles im Blick” hat.

Was ist nun mit Ereignisse und Handlungen, mit Tätigkeiten und Zuständen? Ereignisse und Handlungen werden als Objekte metaphorisiert, Tätigkeiten als Substanzen und Zustände als Gefäße. Auch hierzu möchte ich ein Beispiel bringen, um es besser verständlich zu machen. Wir gehen von einem “Autorennen” aus. Das “Autorennen” an sich ist das Gefäßobjekt, da es Raum und Zeit einnimmt und durch Grenzen definiert ist. Dieses Autorennen kann nicht ohne “Teilnehmer” starten, was die Objekte sind. Es gibt bei diesem Rennen natürlich auch die Ereignisse wie Start und Schluß, was nun die eben beschriebenen metaphorischen Objekte sind. Die Tätigkeit des Rennens ist die metaphorische Substanz.

Mit all den vorangegangenen Metaphern habe ich bis jetzt immer etwas Nicht- Personifiziertes beschrieben. Folglich muß es also auch noch eine Personifikation (=Metonymie) geben. Die Grundaussage ist, dass physischen Objekte in Gestalt einer Person spezifiziert werden. Auch dafür möchte ich einige Beispiele: “die Theorie erklärt”, “die Tatsache spricht…”, “von der Krankheit eingeholt”, “die Religion verbietet”. Das Nicht- Personifizierte wurde also mit Tätigkeiten versehen, mit typisch menschlichen Tätigkeiten. Aber auch etwas auf den ersten Blick Nicht- Personifiziertes kann personifiziert werden, und zwar gleich in zweierlei Hinsicht: Die Inflation bspw. wird als Person gesehen (da sie “zuschlagen” oder einem “begegnen” kann), aber eben nicht nur als irgendeine Person, sondern auch als Gegner (da wir sie ja so gut es geht “bekämpfen” wollen). Durch diese Personifizierung wird das Handeln dagegen gerechtfertigt.

Geschrieben am 15.02.2009
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